Tradition
Zoppenbroicher Stars (v.l.n.r.) Kaiserstuhl, Athenagoras mit Kurt Bresges, Athenagoras
Im Jahr 1923 wurde auf dem Rittergut Zoppenbroich das erste Fohlen für Walther Bresges geboren.
Die Mutterstute Hanna H war das Geschenk eines Kriegskameraden an den Offizier der Kavallerie im 13. Husaren-regiment. Das Fohlen nannte er Hoffnung II. Am Anfang stand also die Hoffnung . . .
Seit dem 19. Jhdt. gehörten der Familie Bresges umfangreiche Ländereien in und um die heutigen Mönchengladbacher Ortsteile Rheydt, Giesenkirchen, Odenkirchen und Geneicken. Herzstück war die Baumwollspinnerei und Zwirnerei, die an dem Flüsschen Niers gelegen, den wirtschaftlichen Aufstieg der Familie begründet hatte.
Kommerzienrat Ernst Bresges residierte im so genannten Schloss Zoppenbroich, direkt neben der Firma gelegen und sein Filius Walther (1882 - 1961) baute sich, anlässlich seiner Heirat 1910 die so genannte Villa, in unmittelbarer Nähe auf der anderen Seite der nach Düsseldorf führenden Straße die damals noch "der schwarze Weg" hieß.
Der Kommerzienrat und sein “pferdeverrückter” Sohn müssen manchen Disput um die Vorliebe des Jüngeren ausgefochten haben, denn bis heute ist an der Numerierung der Koppeln abzulesen, dass der Sohn das Hobby lieber “im Geheimen” pflegte: Die ersten Koppeln entstanden in möglichst weiter Entfernung vom Sichtfeld des Papas.
Doch nach und nach vergrößerte sich die Zucht und Walter Bresges Ehefrau Clara, geb. Engels (1891 - 1987), und sein Sohn Kurt (1911 - 1977) trugen die Begeisterung des Familienoberhauptes mit.
Die Rennfarben für das Gestüt waren wohl schnell gefunden und eingetragen. Hellblau mit vier weißen Schnüren auf der Brust: Dies waren die Uniformfarben des 13. Husarenregiments, dem Walther Bresges angehörte. Im Laufe der Zeit wurden die Schnüre zu Streifen. Wer der erste Sieger war, der diese Farben durchs Ziel trug, werden wir noch herausfinden. (Vielleicht findet einer der Leser in seinen Archiven die Antwort.)
Zoppenbroicher Stars, Teil II - Königsstuhl, Orofino, Ordos (v.l.n.r)
Nun hat der Erfolg ja bekanntlich viele Väter und neben den “Theoretikern” Walther und Kurt Bresges sind die Männer zu erwähnen, die als Praktiker und “Aufzüchter” die Besitzer beraten und Zoppenbroich mit geformt haben. Herr Podoll, Walter Heinrichs, Helmut Barten (von 1973 bis 1998 ) und seit 1998 Thomas Grote, sind die Menschen, die durch Rat und Tat die Geschicke des Gestüts geleitet haben.
Auf der Rennbahn waren die Trainer für Erfolg oder Niederlage verantwortlich: W. Bauermeister in den 20er Jahren, H. Nash in den 30er Jahren und W. Michael ab 1940 waren die Trainer, die die Zoppenbroicher vor dem zweiten Weltkrieg in Hoppegarten trainierten. H. Nash konnte Trollius 1936 als Sieger des Zukunftsrennens vom Geläuf führen. 1937 wurde der Hengst in seiner Obhut Zweiter im Union-Rennen und im Deutschen Derby. Die Ära Michael ist geprägt durch Pferde wie Beresina (1941 2. Im Schwarzgold-Rennen), Berber (Hansa-Preis 1942), Nebelwerfer (1947 Henckel-Rennen), Olymp (1947 Gr. Pr. V. Düsseldorf) oder Ostermorgen (Henckel-Rennen 1948). Eine ganz besondere Stellung hatte dann nach 1952 Sven von Mitzlaff inne, der als vom Gestüt Zoppenbroich angestellter Privattrainer bis 1983 den Olymp-Stall in Köln-Weidenpesch und damit die Ausbildung (fast) aller Zoppenbroicher übernahm. Mit ihm arbeiteten drei Generationen der Familie Bresges zusammen. Ihm verdankt sie alle Derbysieger und viele klassische Erfolge. Nach dem Ausscheiden von Sven von Mitzlaff war es zunächst Harro Remmert, der die Zoppenbroicher trainierte. Hans Blume, Erika Mäder und Trond Hansen waren ebenso für die “hellblau-weißen” verantwortlich. Die Anzahl der Pferde in Training ist mittlerweile auf drei zurückgegangen. Sie tainiert Waldemar Hickst in Köln-Weidenpesch.
Nach dem Tod von Kurt Bresges 1977 kam auf seine Ehefrau Hela Bresges (1922 - 1989) völlig unerwartet die Rolle der Gestüts-Chefin zu. Gemäß dem Wunsch ihres Mannes führte sie das Gestüt weiter, um es 1985 an ihre Töchter Astrid, Anne-Claire und Alexandra weiterzugeben. In ihre Zeit der Gestütsleitung fallen die vielleicht erfolgreichsten Jahre des Gestüts Zoppenbroich: mit drei Derby-Siegern in fünf Jahren, dazu noch einer Reihe weiterer Klasse-Pferde prägte das Gestüt in den 80er Jahren den Deutschen Rennsport.
Zwei für die internationale Vollblutzucht wichtige Stammstuten hatte Walter Bresges eingeführt und “entwickelt”: die aus Ungarn in den 20er Jahren importierte Sachertorte (Percy - Anna Sacher v. Dagor) und Kaiserwürde (Bubbles - Katinka), die ihre Wurzeln in Frankreich hatte. Sachertortes erstes Fohlen wurde an einem Ostersonntag geboren. Als Name dieses Fohlens wurde sehr passend “Osterfreude” gewählt. Dies war der Beginn der O-Familie, der die Derbysieger Orofino und Ordos sowie die klassischen Siegerinnen Ordinanz und Ordinate entstammen. Über die ins Ausland verkaufte Ordenstreue ist diese Familie inzwischen besonders in Frankreich erblüht. Heute noch sind die Nachkommen der Kaiserwürde ein fester Bestandteil der Zoppenbroicher Herde. Zu ihren Nachkommen gehören mit Kaiserstuhl, Kaiseradler, Kronzeuge, Kronenkranich und Königsstuhl allein fünf Deckhengste. Hierbei nimmt Königsstuhl sicher eine Sonderrolle ein. Als einziges Pferd in der langen Geschichte der deutschen Vollblutzucht gelang es ihm die sogenannte “dreifache Krone” zu erringen. Hiermit ist der Sieg in allen drei klassischen Zuchtrennen gemeint, für die dreijährige Hengste und Stuten zugelassen sind: das Henckel-Rennen (Frühjahr, 1.600 m), das Deutsche Derby (Sommer, 2.400 m) und das Deutsche St. Leger (Herbst, 2.800 m). Dass Königsstuhl auch in seiner zweiten Karriere als Vererber ein Champion war, erfüllt die Züchter mit großem Stolz. Über seinen Sohn Monsun hat er die Meinung der internationalen Fachwelt über die Deutsche Vollblutzucht maßgeblich positiv beeinflusst.